auf der Suche nach einem bezahlbaren großen 3D-Drucker fand ich die Firma Tronxy aus China, die auch sehr große 3D-Drucker herstellt und auch weltweit verschickt. Die Drucker werden direkt von Tronxy verkauft - aber auch bei Alibaba oder Ebay Obwohl die Tronxy-Internet.Seite etwas chaotisch ist und auch viel widersprüchliches angezeigt wird, bestellte ich den neu erschienenen Tronxy Veho 600A. Dieser hat ein geschlossenes Gehäuse und einen Bauraum von 600x600x600mm.
Die Rezensionen/Bewertungen und Videoberichte im Internet waren zwiespältig - aber ich ging das Risiko ein diesen Drucker dennoch zu bestellen, da ich keine preiswerte Alternative zu Tronxy gefunden habe.
Ende März wurde online bestellt, bezahlt und 10 Wochen später stand eine Palette mit Holzkiste in meinem Hof. Dort befand sich der Drucker drin, samt ein paar Ersatzdüsen und PEI-Stahlblechdruckplatte - so wie bestellt. Der Drucker war gut verpackt und vollständig montiert. Das auspacken war problemlos. Im Paket war ein Zettel mit einer Anleitung auf chinesisch und Englisch bezüglich der Sicherungsplatten und -Schrauben. Das hat alles recht gut ausgesehen.
Nach dem auspacken und aufstellen des Druckers, wunderte ich mich über die eine fehlende Bedienungsanleitung. Ich fand dann nach längerem suchen einen Mini-USB-Stick in der Tüte mit dem Bordwerkzeug. Auf diesem Stick war die Bedienungsanleitung, der Orca-Slicer sowie die Konfigurationsdateien für den Orca-Slicer enthalten. Die PDF-Bedienungsanleitung war relativ knapp gehalten und in englisch und teilweise chinesisch.
Für mich als erfahrenen 3D-Drucker-Bediener kein Problem. Ich machte mich an die Einrichtung des Orca-Slicers und begann die Druckbettnivellierung laut der Anleitung. Ich habe PLA-Filament eingeschoben und probierte ein sehr kleines Teststück zu drucken (rund, ca. 4cm Durchmesser und 3cm hoch.) Das Misslang jä¤mmerlich, da die Nivellierung des Druckbettes nicht richtig war.
Ich wiederholte die (halb-)automatische Bett-Nivellierung mehrmals und habe irgendwann den Druck auch zustande gebracht.
Dann wollte ich sehen, ob ein Druck über einen größere Fläche funktioniert - Katastrophe - hat überhaupt nicht geklappt. Ich überlegte an was das liegen kann. Ich kam zum Schluss, dass die mechanische Druckbetteinstellung von vorne nach hinten über 5mm nicht stimmte. Das Problem ist, dass jeweils 2 Z-Achsen-Motoren auf der linken und auf der rechten Seite mit einem Zahnriemen gekoppelt sind. Die Riemen befinden sich unterhalb des Gehäuses nahe am Boden. Dabei stellte ich fest, dass der rechte Riemen normal straff war, der linke Riemen sehr locker war (zu locker für einen korrekten Antrieb). Um die Druckplatte völlig eben zu stellen, müssen die beiden Verbindungsriemen entfernt werden und dann kann man bei ausgeschaltetem Drucker die 4 Motoren so drehen, dass der Abstand der Druckplatte zur Düse in allen 4 Ecken exakt gleich ist. Dazu habe ich ein Holzklötzchen untergelegt, um nicht das Druckbett mit der Düse zu verkratzen.
Ist das nun nivelliert muss man die beiden Verbindungsriemen wieder installieren - ohne die Z-Achsen zu verdrehen. Das ist allerdings ziemlich umständlich, weil man nicht gut hinkommt. Bei den Geräten (Veho 600 V2) ohne Gehäuse ist dies kein Problem. Ich überlegte mir etwas und bohrte in den Blechboden links und rechts ein Loch direkt über der Schraube des Riemenspanners. Nun konnte ich den Riemenspanner bedienen und die Riemen wieder spannen. Da hat mich relativ viel Nerven und Zeit gekostet, bis das Druckbettniveau perfekt eingestellt war - hat aber schliesslich funktioniert. Der erste Kritikpunkt an dem Gerät - warum sind im Boden keine Servicelöcher vorhanden um den Riemenspanner zur lösen bzw. festzuziehen.
Das war nun erledigt. Nach erneuter automatischer Druckbettnivellierung war die Sache schon besser. Der Drucker druckte den ersten Layer in der Mitte des Druckbettes recht gut. Weiter aussen dann immer schlechter. Noch weiter aussen schliff die Düse auf dem PEI-Blech und verkratzte mir gleich das Blech. Ich wiederholte die 36-Punkt Nivellierung und nahm ein dickeres Blatt Papier (das man zur Nivellierung braucht) und wiederholte den Druck. Diesmal war der Druck in der Mitte deutlich schlechter (keine Haftung) und aussen schliff die Düse immer noch leicht auf dem Druckbett.
Bei der wiederholten Begutachtung des Druckers stellte ich fest, dass der Extruder nicht richtig befestigt war, denn man konnte diesen etwas nach links und rechts kippen. Ich schaute mir das an und stellte fest, das die kleine Führungsschiene in der der Extruder für die Druckbettnivelierung nach oben geschoben wird nicht richtig befestigt war. Ich schraubte den Extruder weg und wollte die wirklich lose obere Schraube anziehen - ging aber nicht weil irgendjemand im Werk die Schraube überdreht hat und dadurch das Gewinde schadhaft war. Ich organisierte eine etwas längere M3-Schraube und setzte diese ein. Der Extruder war nun richtig fest.
Allerdings war bei erneuter Nivellierung und Druck das Ergebnis ebenfalls nicht besser.
Nun schaute ich mir das Druckbett und die Nivellierfunktion genauer an. Bei der 36-Punkt-Nivellierung drückt der Extruder mit der Düse relativ fest auf das Druckbett, der Extruder schiebt sich hoch - bis dass ein Endschalter anspricht und das Niveau speichert. Das Problem war jedoch, dass das Druckbett in den Ecken um ca. 0,4mm hochstand und man es etwas herunterdrücken konnte (es federte). Bei der automatischen Nivellierung drückt der Extruder das Druckbett in den Ecken nach unten und denkt dann das ist das richtige Niveau - aber das Druckbett federt aber nach Nivellierung nach oben, da ja nichts mehr dagegen drückt. Deshalb berührte beim Druck in den Außenbereichen die Nozzle das Druckbett und verkratze dies.
Ich unterlegte zwischen der Druckbettauflagerahmen und dem Heizbett nun solange Papierstreifen so dass das Druckbett nun zwar in den Ecken etwas hochstand aber zumindest bei der Nivellierung nicht mehr federte. Nach einigen versuchen konnte ich nun tatsächlich einigermassen drucken - die Sache war zwar nicht perfekt und die erste Druckschicht sehr ungleichmässig - aber ich konnte nun nach mehreren Versuchstagen halbwegs drucken.
Die Drucke sahen oberflächenmässig nicht gut aus. Ich machte mit dem Orca-Slicer die Kalibrierung der Durchflussrate. Die Durchfussrate habe ich mit PETG-Material von 1 auf 0,915 zurückgestellt. Nun sahen auch die Oberflächen auch ganz gut aus.
Ich habe nun mit einem Alulineal festgestellt, dass die Glasplatte über dem Silikon-Heizbett und damit auch die Magnetstreifen an sich uneben sind. In der Mitte tiefer, 8cm vom Seitenrand höher und dann wieder abfallend. Das Problem ist die Erhöhung 8cm vom Seitenrand. Das liegt genau zwischen den Abtastpunkten der automatischen 36-Punkt Nivellierung. Die Erhöhung kann also von der Nivellierung nicht erfasst werden.
Ich habe das dem chinesischen Support geschrieben und auch Bilder gesendet. Nach einem Tag meldete sich der Support mit einem Satz: ich solle nicht auf die PEI-Federstahlplatte drucken, sondern direkt auf das Glas.
Und das obwohl ich dem Support mitgeteilt habe, dass bereits das Glas uneben ist. Auch weiss ich nicht, ob ich die festgeklebten Magnetstreifen die die Stahl-PEI-Platte festhält überhaupt von der Glasplatte lösen kann ohne Schaden anzurichten
Ich fragte auch nach einer neuen Firmwareversion - dazu überhaupt keine Antwort!
Ich bestellte mir nun auf eigene Kosten eine neue Tempered-Glasplatte für 190,- Dollar direkt bei www.tronxy.com. Das war aber auch nicht einfach, da es keine Ersatzteilliste für den Drucker im Internet auf der Tronxy-Homepage gibt.
In der Zwischenzeit habe ich noch Papierstreifen zwischen den Magnetstreifen und der PEI-Stahl-Druckplatte eingelegt und mittels Lineal die Stahl-PEI-Druckplatte halbwegs eben gebracht. Wenn ich aber nach dem Druck die PEI-Platte von den Magnetstreifen löse verschieben sich meine lose unterlegten Papierstreifen wieder und ich muss alles wieder sorgfältig herrichten, damit der nächste Druck halbwegs funktioniert.
Den Drucker habe ich nun über 3 Wochen und schon sehr viel herumschrauben müssen. Mein Bambulab A1, den ich inzwischen verkauft habe, lief von Anfang an perfekt und ohne jegliche Probleme störungsfrei. Ich habe noch einen 5-Kopf-Prusa XL und einen Bambulab H2D. Beide Drucker laufen ohne größere Störungen perfekt - was man beim Tronxy Veho 600A überhaupt nicht sagen kann.
Wenn der Tronxy von einem deutschen Händler wäre, hätte ich diesen schon lange zurückgegeben. Bei einem Direkt-Import von China ist das wegen dem Versand und der Größe des Druckers schwierig. Und ob man das Geld wiederbekommen würde, bezweifle ich auch.
Insgesamt habe ich nun 3 Wochen in jeder freien Minute versucht diesen Drucker anständig zum Laufen zu bringen - ich kann zwar bestimmte Dinge drucken - aber das ganze Druckbett kann ich immer noch nicht nutzen, da der erste Layer zu ungleich gedruckt wird.
Ich warte nun auf die neue Glasplatte - wenn diese eben ist und eben bleibt, kann man durchaus ganz gut drucken. Ich befürchte jedoch nichts gutes - werde weiter darüber berichten.
Extruder:
Der Extruder ist nicht von guter Qualität, Kugellager in den Achsen der Wellen vermisse ich. Alles wackelt und hat Spiel - aber prinzipell funktioniert der Extruder.
Was man aber besachten muss: Beim Filamentwechsel sollte man nie das alte Filament aus der Düse zurückziehen lassen um es dann zu entnehmen. Reste das angeschmolzenen Filamentes
setzen sich im Extruder ab und man bekommt diese Sachen kaum noch heraus. Ein gute Spitzpinzette ist wirklich nötig und nützlich wenn sich zwischen den Zahnrädern etwas festgesetzt hat.
Beim Wechseln des Filamentes, dieses einfach zwischen Filamentsensor und dem Extruder mir einer Schere durchschneiden und neues Filament einführen und das alte Filament mit erhitzter Düse nach unten extrudieren, bis das neue Material oder Farbe kommt. Dann geht man vielen Problemen (die ich die ersten Wochen hatte) aus dem Weg.
Pause
Der Drucker geht öfters mal auf die Pausenfunktion. Man drückt auf Weiter und bestätigt die Sicherheitsabfrage und er führt den Druck fort. Das kann manchmal gar nicht - aber auch 6mal während eines Druckes passieren. Man druckt abends noch was aus und denkt der Drucker ist am nächsten morgen fertig und ist z.B. bei 10% stehengeblieben - das ist ärgerlich. Und es liegt nicht an der Druckdatei. Wenn man mehrere Male hintereinander das gleiche druckt, geht er an völlig unterschiedlichen Stellen und unterschiedlich oft auf Pause. Muss nochmals bzgl. neuer Firmware beim Support nachhaken.
Der Tronxy Veho 600A ist ein grosser 3D-Drucker zum günstigen Preis. Leider hat er sehr viele Probleme - insbesondere was das Druckbett betrifft. Dies ist an meinem Drucker nicht akzeptabel - und ich befürchte es ist an den anderen Tronxy-Druckern ebenfalls ein Problem. Für Anfänger ist der Drucker überhaupt nicht geeignet. Für Profis nur, wenn man gerne schraubt, technisches Verständnis und gute Nerven hat. Der Support von Tronxy ist ebenfalls schlecht - man wird einfach abgespeist. Eine Ersatzteilliste etc. für den Drucker gibt es auf der Tronxy-Seite nicht. Ebenfalls keine Seite mit den aktuellen Firmwareversionen. Insgesamt ist der Internetauftritt noch schlechter als das Produkt selbst. Ich würde diesen Drucker nicht mehr kaufen und sehe mich mittelfristig um einen anderen Grossformat-3D-Drucker um. Ich werde weiter berichten, wenn ich die neue Glas-Druckplatte habe.